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Psytrance / Goa Trance
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Psytrance (kurz für: Psychedelic Trance, auch: Goa-Trance) ist eine
Musikrichtung und stellt ein Subgenre der Trance-Musik dar. Namensgebend
waren Outdoor Trance-Partys der Neunziger-Jahre im indischen Bundesstaat
Goa; jedoch wurde der Musikstil nicht ausschliesslich dort erschaffen.
Die Entstehungszeit der klassischen Ausprägung reichte bis etwa 1995.
Gegenwärtig entwickelt sich der Musikstil unter der Bezeichnung Psytrance
weiter.
Die Musik setzt sich aus 4/4-Takten zwischen ursprünglich 130 und 150
BPM zusammen, mittlerweile werden auch Geschwindigkeiten bis zu 160 bpm
und mehr erreicht. Die Kicks sind deutlich energischer und kompakter als
bei anderen Trance-Richtungen. Darüber hinaus versteht sich die Musik
recht experimentell. Beliebt sind Acidlines (ursprünglich durch den TB-303-Synthesizer)
und andere organisch klingende synthetische Geräusche. Vocals wie zum
Beispiel bei House finden seltener Verwendung, inzwischen werden jedoch
mitunter gerne Vocoder-Stimmen und Gesang mit eingebaut. Ebenso werden
gerne Samples aus Spielfilmen eingemischt.
Anfang der 1990er Jahre war die Musik gekennzeichnet durch die Einbindung
akustischer Ethno-Elemente mit psychedelischem Charakter. In einer linearen
Entwicklung war die Musik gegen Mitte der 1990er Jahre geprägt durch orientalische
Melodien auf Basis kräftiger Lead-Sounds der damaligen Synthesizer untermalt
von Acid-Sounds im Hintergrund und der Bassline. Gegen Ende der 1990er
Jahre wurde die Musik etwas langsamer, minimalistischer und unmelodisch,
wobei der minimalistische Trance meist mit athmosphärischen und düsteren
Klängen mit hohem Hallanteil untermalt wurden. Bis zur Mitte dieses Jahrzehntes
entwickelte sich ein Stil, der Elemente aus dem Dub- und House-Bereich
mit einbezieht und wieder sehr melodisch erscheint, wobei der Klang einen
anderen Charakter als in den 1990er Jahren erzielte.
Interpreten wie Raja Ram bedienten sich neben dem Techno-Instrumentarium
auch bei Blas- und Streichinstrumenten, oder sie arbeiten mit genrefremden
Musikern zusammen, so dass auf Psytrance-Scheiben neben dem obligaten technoiden
Sound auch Versatzstücke aus Ambient, Trip Hop, Worldmusic und vielen
anderen Bereichen zu finden sein können. Für solche freien Stilmixturen
wurden zahlreiche neue Stilbezeichnungen geschaffen: Full-On, Darkpsy,
Neo-Full, Israeli-Trance, Progressive Trance, Morning-Trance, Tech-Trance.
Als Psychedelic Chill Out wird eine ruhigere Variante des Psytrance bezeichnet.
Diese verzichtet meist auf eine gerade 4/4-Bassdrumm und legt ihren Fokus
auf sphärische Klänge.
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Herkunft und Entstehung
Anfang der 1990er Jahre begann sich Psytrance im indischen Bundesstaat
Goa, einem Hippie-Mekka aus den 1960ern, als Subgenre der House- und Technoszene
abzugrenzen, das massgeblich von ausländischen, oft deutschen und israelischen
Rucksacktouristen initiiert wurde.
Während die Technoszene zu Beginn der 1990er Jahre bereits die Plattenläden
mit massig Veröffentlichungen füllte, blieb der Goa-Bereich zunächst
von den Plattenlabels fern. Die Produzenten nahmen ihre Produktionen anfangs
meist auf DAT-Bändern auf, die sie an die DJs überspielten. Vereinzelt
gab es Veröffentlichungen auf Plattenlabels aller Richtungen, wobei es
erst im Jahre 1993 zur Gründung des ersten Goa-Labels kam.
Ausgehend von Interpreten wie Martin Glover (Killing Joke), Martin Freeland
(Man With No Name), Shakta, Nick Barber, Infected Mushroom, GMS und anderen
in England der dort "Psytrance" genannte Sound zur Goa-Party.
Der bekannte britische Produzent und Bassist Youth (Martin Glover) war
Geschäftsführer eines Plattenlabels mit dem Namen Butterfly Records,
das experimentelle Produktionen aus dem Postpunk-Bereich mit elektronischem
Einfluss veröffentlichte. Da er bis dato immer häufiger Demo-Tapes aus
dem Goa-Bereich zugeschickt bekam, entschloss er sich, ein Sublabel mit
dem Namen Dragonfly Records zu gründen. Letztendlich boomte dieses Sublabel,
während das Mutterlabel Butterfly kaum noch neue Veröffentlichungen brachte
und ein paar Jahre später stillgelegt wurde.
Nach der Gründung von Dragonfly wurden innerhalb sehr kurzer Zeit weitere
Goa-Labels gegründet, da es zu einer Flut an neuen Veröffentlichungen
kam. Die Anzahl der Neuveröffentlichungen nimmt seit Mitte der der 2000er
Jahre stets zu.
Die von den Rucksacktouristen und während den 1960er Jahren ausgewanderten
und noch heute in Indien ansässigen Hippies beeinflusste Goa-Kultur, propagiert
eine lebensbejahende Sichtweise, und ist stark mit den Ideen und Symbolen
der 68er-Bewegung verbunden. Neben der Musik gehören Elemente aus dem
Lebensstil mittel- und fernöstlicher Völker, Naturverbundenheit und eine
Kunst, die buddhistische Einflüsse mit der Flowerpower-Zeit und modernen
Malereien verbindet, zu dieser Philosophie.
Die ursprünglich in Goa ansässige Szene verlagerte sich nachdem die
indische Regierung einige Reformen durchführte, welche die Freiheiten
der dort lebenden Aussteiger enorm einschränkte und in dem Gebiet zunehmend
Pauschaltourismus etablierte. Die Subkultur in Indien wurde für tot erklärt
und nach Europa und Israel verlagert. Immer häufiger fanden so genannte
Goa-Partys in ganz Europa und dem Mittelmeerraum statt, die nach der bekannten
Mentalität ablaufen sollten.
Seit den 1990er Jahren hat sich eine weltweite Szene von Liebhabern
dieser Musikrichtung gebildet. Neben Israel und Deutschland existieren
auch in England, Skandinavien, der Schweiz und anderen Teilen Europas viele
Anhänger der Bewegung. In Südamerika, Südafrika, und Osteuropa entwickelte
sich eine in den folgenden Jahren stark aufstrebende Szene, die unter anderem
durch interessante Musikproduktionen für viel Bereicherung sorgte. Lediglich
in den USA ist die Goa-Szene deutlich unterrepräsentiert; nur an der Westküste
und im Raum New York finden vereinzelte Veranstaltungen statt. In vielen
der hier nicht genannten europäischen Ländern, etwa in Österreich, Frankreich,
Italien oder auch Tschechien, nahm die Freetekno-Bewegung den Platz der
musikalisch verwandten Goa-Szene ein. Wesentliche Unterschiede sind jedoch
im anderen Selbstverständnis und Erscheinungsbild der Freetekno-Gemeinschaft
zu finden. So agiert die Freetekno-Szene nach wie vor mehrheitlich im Untergrund
und lässt per Selbstdefinition auch keine Kommerzialisierung zu, wie sie
bei Goa bereits begonnen hat. Mittlerweile hat Österreich sich zu einer
Hochburg entwickelt (es gibt dort einen der weltweit ersten auf Psytrance
spezialisierten Musikvertriebe) und auch im benachbarten Italien sowie
im Norden Europas/Skandinavien nimmt die Psytrance-Szene an Bedeutung zu.
Mit der Zeit wurde das Publikum aus der Techno-Szene von den Goa-Partys
immer häufiger angezogen, was sowohl die Veranstaltungen als auch die
Musik stets weiterentwickelte. Die Musik wurde gegen Ende der 1990er Jahre
zunehmend minimalistischer und unmelodischer und auch Techno- und Progressive
House-Veröffentlichungen auf Goa-Partys mit einbezogen.
Das kostenlos erhältliche Mushroom Magazin, im DIN-A 5 Format berichtet
über weltweite Veranstaltungen und Musikveröffentlichungen der Szene.
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Festivals und Goa-Parties
Sogenannte Goa-Partys sind häufig mehrtägige Veranstaltungen, auf
denen Goa und Psytrance gespielt wird. Oft gibt es einen "Chillout"-Bereich,
in dem ruhigere Musik gespielt und oftmals Chai gereicht wird. Im Sommer
finden Goa-Partys bevorzugt im Freien statt. Oftmals wird Besuchern die
Möglichkeit gegeben, auf dem Veranstaltungsgelände zu campen. Die grössten
Veranstaltungen dieser Art finden in Norddeutschland statt und erreichen
zum Teil Besucherzahlen von 10.000 bis zu 35.000, wie zum Beispiel das
Festival VooV Experience.
Auf Goa-Partys werden, sowohl bei Kleidung als auch bei der Dekoration,
oft fluoreszierende Farben verwendet. Bilder stellen meist Sujets wie Aliens,
Märchenfiguren (Gnome, Elfen oder Waldgeister), Zauberpilze und Motive
und Symbole aus dem Hinduismus, Shivaismus oder Shamanismus oder verschiedene
geometrische Muster dar (siehe auch: Techno-Kunst). Im Sommer finden die
meisten Anlässe in freier Natur an Stränden, in Wäldern oder vereinzelt
im Gebirge statt. Waren die Preise für Eintritt und Getränke früher
meist niedriger als bei Trance-Partys in Clubs, sind sie in den letzten
Jahren deutlich gestiegen. Insgesamt geht aus der Goa Bewegung eine positive
Energie aus. Respekt und Toleranz gegenüber Anderen sowie der Umwelt werden
als grundlegende Werte beschrieben und auf den Veranstaltungen in einer
friedlichen und entspannten Atmosphäre zum Ausdruck gebracht.
Hinsichtlich sozialer und nationaler Herkunft, Alter und Kleidung ist
die Szene sehr inhomogen. Sowohl von der Technokultur beeinflusste Jugendliche,
als auch ursprüngliche Hippies der 1960er Jahre repräsentieren das Publikum.
Auch für Kleinkinder werden meist bei mehrtägigen Veranstaltungen Bereiche
reserviert, um den Eltern den Besuch zu ermöglichen. Gerade grössere
Veranstaltungen haben oftmals ein sehr internationales Publikum, was zusätzlich
zum Klima der Toleranz beiträgt.
Zu den grösseren Goa-Festivals zählen in Deutschland unter anderem
das Antaris Project, das Fullmoon Festival, Gathering of the Tribes, Indian
Spirit, Liquid Time, Tshitraka, VooV Experience und Waldfrieden Wonderland.
International von Bedeutung sind die Festivals Sonnenklang in Österreich,
Biocosma in der Schweiz, das Boom Festival in Portugal, das Gabin Tower
memorial Festival in Polen, Rainbow Serpant in Australien, Rumpeltänzchen
in Bosnien-Herzegovina, das Soulclipse, dessen Veranstaltungsort von der
Sonne abhängig ist und zuletzt in der Türkei statt fand, das Zoom Festival
in der Schweiz, Universo Paralello in Brasilien und das Ozora Festival
in Ungarn. Als bekannter, internationaler Veranstalter gilt Mystery-World.
Bei manchen dieser Freiluft-Musikfestivals wird allerdings inzwischen
nicht mehr ausschliesslich Psytrance gespielt.
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